Tipps & Hilfestellungen

Konflikte lösen

Konflikte lösen – Mit jemand anderem

Wir Menschen empfinden und denken sehr unterschiedlich. Unsere Wahrnehmung ist geprägt von unseren bisherigen individuellen Erfahrungen und Erlebnissen. Mit diesen sehr unterschiedlichen Perspektiven können leicht Missverständnisse, Probleme und Konflikte entstehen. Wenn uns bewusst wird, dass es eine wahrnehmbare Differenz gibt, sollten wir dies ansprechen und versuchen zu lösen. Aber wie genau funktioniert so etwas, ohne dass es zu einer Aneinanderreihung von Schuldzuweisungen und Abwehrreaktionen führt?

Bevor Du in die Lösung des Konfliktes mit Deinem*Deiner Konfliktpartner*in gehst, ist es wichtig, dass Du Dich alleine oder mit einer neutralen Vertrauensperson austauschst und Du Dir darüber Gedanken machst, was genau Du fühlst, wodurch diese Gefühle entstehen und welche Lösung Du Dir selbst für dieses Problem wünschst. Schaue Dir gerne dafür unser Tool “Eigene Gefühle erkennen” an. 

Dabei kann es passieren, dass Du merkst, dass Du einen Anteil an dem Entstehen des Konfliktes trägst. Sollte dem so sein, wird Dein Gegenüber dankbar sein, wenn Du diese Mitschuld eingestehst. In dem Du Dich bekennst, ebnest Du den Weg, dass auch Dein Gegenüber Zugeständnisse machen kann und die Fronten etwas weicher werden. Wenn ihr euch dann noch als Team versteht, welches eine gemeinsame Lösung finden will, habt ihr den Konflikt bereits in ein konstruktives Miteinander verwandelt. 

Die Grundsätze der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg können hier sehr hilfreich und wirksam sein. Auch in einer weniger konfliktreichen, aber dafür achtsamen Kommunikation kann viel aus dieser Methodik mitgenommen werden. 

Es gibt sechs verschiedene Phasen, in die Du das Klären eines Konflikts unterteilen kannst. 

Solltest Du Dir unsicher sein, wie Du das genau anwenden kannst, dann spreche das offen an, zum Beispiel in dem Du sagst: “Ich habe das Gefühl, dass ein Konflikt zwischen uns steht und mir ist es wichtig, dass wir darüber sprechen. Ich habe etwas dazu gelesen, wie man Konflikte gut und sachlich klären kann und würde es gerne ausprobieren. Ist das für dich in Ordnung? Wünscht Du Dir, dass ich Dir diese Vorgehensweise schicke und Du es Dir auch anschauen kannst? Es ist auch in Ordnung, wenn Du Dir darüber zuerst Gedanken machen möchtest.” Versuche dabei offen und ohne Vorurteile auf Deinen Konfliktpartner*in zuzugehen. 

Die Phasen

  1. Vereinbart einen Gesprächstermin
    • Überfalle Dein Gegenüber nicht. Spreche ihn oder sie in einer ruhigen Situation, in der ihr unter euch seid, darauf an, dass Du das Gefühl hast, dass ihr einen Konflikt habt und Du dies gerne klären möchtest. Vereinbart einen Termin und einen Ort, wo ihr in Ruhe sprechen könnt. Denke daran, dass Du Dir bereits Zeit genommen hast, über Deine Gefühle nachzudenken. Gebe auch der anderen Person die Zeit, dies zu tun. Zögert das Gespräch aber auch nicht zu lange heraus.
  2. Bereitet das Gespräch vor
    • Beide Parteien des Konflikts sollten sich folgende Fragen im Vorfeld beantworten:
      • Worum genau geht es in diesem Konflikt?
      • Wodurch ist unser Konflikt entstanden?
      • Wer ist an dem Konflikt beteiligt?
      • Welchen Teil habe ich an dem Konflikt mit verursacht und wie stark kann und habe ich ihn verstärkt?
      • Was möchte ich ansprechen und was möchte ich mit diesem Gespräch erreichen?
      • Wie hätte der Konflikt besser ablaufen können? Habe ich schon eine Lösungsidee im Kopf?
  3. Teilt eure jeweiligen Wahrnehmungen
    • Der Punkt klingt erst einmal ganz einfach, so einfach ist er aber nicht. Jeder nimmt eine Situation anders wahr und sieht sie aus unterschiedlichen Perspektiven. Manchmal kann es auch sein, dass man etwas intensiver wahrnimmt als die andere Person und anders herum. Das ist wichtig zu respektieren. Daher solltest Du bei Dir bleiben und auch so sprechen. Sage Deinem Gegenüber möglichst alles in “Ich-Botschaften”. Hier ein Beispiel: “Ich sehe, dass das Badezimmer dreckig ist und finde, dass ich es in den letzten Wochen allein sauber gemacht habe. Das macht mich traurig und verletzt mich irgendwie. Wie nimmst Du die Situation wahr? Kannst Du meine Perspektive nachvollziehen?“
  4. Überprüft euch selbst
    • Du kannst dich zum Beispiel fragen: „Habe ich versucht, meine eigenen Bedürfnisse und Sichtweisen einmal außer Acht zu lassen, um mein Gegenüber wirklich verstehen zu können?“
  5. Teilt eure Gefühle mit
    • Du kannst deinem Gegenüber sagen, wie es dir durch diesen Punkt geht und welche Situation Du Dir gerne wünscht. Auch Dein*e Konfliktpartner*in kann dies tun.
  6. Wie wollt ihr die Situation lösen

Überlegt euch gemeinsam, wie ihr in Zukunft gemeinsam kommunizieren wollt und wie ihr in Zukunft mit Konflikten umgehen wollt. Macht gemeinsam konkrete Lösungsvorschläge. Kommt zusammen zu einer Lösung für euer Problem.

Überlegt euch folgende Punkte:

  • Was wäre eine faire Lösung für euren Konflikt?
  • Welche der Lösungsvorschläge wären machbar?
  • Welche der machbaren Lösungen sind für beide Seiten akzeptabel?

Konflikte lösen – Mit sich selbst

Ein Konflikt kann nicht nur mit anderen entstehen, sondern auch mit sich selbst. Dies kann sogar noch unangenehmer sein, da man sich selbst ja nicht aus dem Weg gehen kann, um ein wenig Abstand zu bekommen. Das Wichtigste ist erstmal dieses diffuse Gefühl anzunehmen und sich selbst zu sagen: Ich bin okay, meine Gefühle sind okay und ich habe alles schon in mir drin, um zu einer Lösung zu kommen. Stell Dir vor, Du bist Deine beste Freundin oder Dein bester Freund. Wie würde diese Person mit Dir sprechen? Ein liebevoller, wertschätzender und zuversichtlicher Umgangston mit sich selbst ist essentiell für ein gesundes Selbstwertgefühl. Natürlich bauen wir auch mal Mist, vielleicht schämen wir uns oder versinken in anderen Gefühlen, die uns blockieren und uns unglücklich machen. Hier ein paar Vorschläge, wie Du wieder nach vorn blicken kannst:

  1. Sprich mit einer vertrauten Person oder einem professionellen Coach oder Therapeuten. Öffne Dich und bring Deine Gefühle zum Ausdruck. Gefühle und Bedürfnisse wollen gehört und gesehen werden, denn sonst verwandeln sie sich zum Beispiel in Wut oder selbstzerstörerische Energien. 
  2. Achte auf Deine innere Stimme. Du bist dafür verantwortlich, dass Du Dir selbst zuhörst, Dich wahrnimmst und wertschätzt.
  3. Verweile nicht zu lange in einer klagenden Haltung. Je länger Du in diesem Problemraum bist, desto weniger Raum hat die Lösung – und das ist ja das, was Du eigentlich brauchst. Also: Blick nach vorn! Was soll sich ändern? Was möchte ich eigentlich? Sei dabei so konkret wie möglich und komme ins Handeln.
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